Frauen als Konsumentinnen der Zukunft?



5 Fragen an Ulf Endewardt (45), Inhaber und Geschäftsführer e-mares, Innovationsforschung mit  Sitz in Hannover

mobilitaet.de: Herr Endewardt, schon 2004 titelte die Süddeutsche Zeitung: „Frauen sind die mächtigsten Konsumenten der Welt. Wann begreifen die Firmen das endlich?“ – Unsere Frage: Haben es die Firmen inzwischen begriffen?

Ulf Endewardt: Nein, das glaube ich noch nicht. Wenn das so wäre, dann hätte auch der Spiegel den aktuellen Artikel von der neuen Generation „Alpha-Mädchen“ nicht mehr bringen können. Dass die Frauen besser ausgebildet sind und selbstbewusst ihren Platz in der Gesellschaft suchen und sich dabei alle Optionen offenhalten, ist so neu nicht – aber eben noch nicht überall angekommen. So sind Frauen im Bewusstsein der Unternehmen als wichtige Zielgruppe noch nicht durchgängig verankert.

Es herrscht zudem eine weit verbreitete Unsicherheit darüber, wie man Frauen als Kundinnen „richtig“ anspricht: Jahrelang hat man so getan, als gäbe es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Da wurden viele Produkte und die Kommunikation meist an den Männern ausgerichtet und man hoffte, dass es dann auch für die Frauen passt. Das tut es aber nicht, Frauen und Männer sind anders. Es geht heute um ein „Erkennen und Leben des Unterschieds“ – als Differenzierung und nicht als Diskriminierung.

mobilitaet.de: Der Nachsatz in dem Interview der Süddeutschen Zeitung lautete: „Und die Frauen?“. Sind Sie der Meinung, dass dieses Bewusstsein sich inzwischen auch bei den Frauen rumgesprochen hat?

Ulf Endewardt: So richtig noch nicht. Es braucht wohl noch ein wenig Zeit, bis sich die Frauen ihrer Macht als Konsumentin wirklich bewusst sind und dies auch einfordern. Unsere Töchter sind 15, 16 Jahre alt, die wollen sich nicht benachteiligen lassen, nur weil sie Mädchen sind. Aber es ist immer noch so: Wenn ein Paar ein Autohaus betritt, wird immer der Mann angesprochen. Die neue Generation der Frauen ist aber gerade dabei, das zu ändern.

mobilitaet.de:
Warum sind denn Frauen heute mächtiger und auch mobiler als noch vor 10, 15 Jahren?

Ulf Endewardt: Sie haben ein anderes Selbstverständnis, nehmen teil an vielen Möglichkeiten, wollen sich nicht mehr einschränken lassen. Frauen haben heute auch ganz andere Vorbilder. Die klassischen Haushaltsrollen (Rollen im Haushalt oder noch besser: die klassische Rollenverteilung im Haushalt löst sich auf – denn Haushaltsrollen hängen eher an der Wand??)lösen sich auf, die Rolle der sprichwörtlichen Beifahrerin fällt weg. Der Wunsch, mobil zu sein, alles selber erreichen zu können, nimmt zu – und die Anforderungen an den Alltag sind auch andere.

mobilitaet.de: Es wird immer gesagt, dass Frauen anders konsumieren. Ist das heute noch so?

Ulf Endewardt: Oh ja! Frauen fragen immer noch stärker: Was nützt es? Männer fragen eher: Was kann es? Sie spielen einfach mehr ... Bei Frauen steht der praktische Nutzen im Vordergrund. Sie lassen sich nicht vom ursprünglichen Gebrauchswert ablenken. Oder sie rücken den emotionalen Nutzen des Produktes in den Vordergrund.

mobilitaet.de:
Schauen wir noch ein wenig nach vorn – wie werden Frauen als Konsumentinnen in den nächsten Jahren den Markt verändern bzw. beeinflussen?

Ulf Endewardt: Frauen werden stärker auf ihr Recht pochen, als normale Konsumentinnen gesehen zu werden, insbesondere im Technikbereich. Beispiel Handwerker: Sie wenden sich immer noch an den „Mann im Haus“. Wenn diese in Zukunft Geschäfte machen wollen, wäre es klug, sich auf die Frauen als Konsumentinnen einzustellen!